iraqi cartoons

 

Die Massengräber

The Reality of Culture & Media in Iraq after April 9, 2003.

Report of: Writers without Borders

Ist der Islam eine Alternative oder eine Flucht ?

Faleh Al Saadi

 

 


Die politischen Bewegungen und die totalitären Regierungen in den arabischen Ländern haben versagt. Sie sind nicht in der Lage, Lösungen für die Probleme der Menschen anzubieten. Weder die sozialen Missstände noch der Umgang mit Israel wurden auch nur annährend geklärt.


Die Regierungen sind vielmehr damit beschäftigt, ihre Macht mit allen Mitteln zu verteidigen. Sie betrachten die Ländern in denen sie regieren und alles was sich darauf befindet als ihr Eigentum. Dazu zählen auch die Einwohner. Mit diesem Eigentum machen sie, was sie wollen. Vorwürfe internationaler Organisationen wegen Menschenrechtverletzungen gelten als Einmischung in „innern Angelegenheiten“. „In diese darf sich niemand einmischen!“.


Man darf sich nicht von den Leuchtreklamen Dubais verblenden lassen. Es ist wahr, dass die arabischen Ländern über ein großes kulturelles Erbe und enormes Reichtum verfügen. Sie gelten trotzdem nach heutigem Standard als unterentwickelt. Armut und Arbeitslosigkeit breiten sich aus. Ihr Schul- und Hochschulwesen gehören weltweit zu den schlechtesten. Hoffnung auf Verbesserung ist nicht in Sicht.

 

Für die arabischen Massen ist der Konflikt mit Israel von zentraler Bedeutung. Ihren Regierungen werfen Sie vor, gegen Israel zu versagen. Die Niederlagen in fünf Kriegen und die Hilflosigkeit drücken schwer auf ihre Würde.

Die Not der Menschen in den arabischen Ländern ist groß und so flüchten sie zur Religion.


Ob der Islam geeignet oder nicht geeignet ist zur Lösung der Probleme, fragt man sich nicht mehr. Er ist die einzige Rettung, die für sie sichtbar ist.
Armut, Demütigung, Hilflosigkeit und Unterdrückung sind Gründe genug, um jede Lösung willkommnen zu heißen. Die Menschen flüchten zum Islam nicht immer aus Überzeugung, sondern oft aus Verzweiflung.

 

Der Islam als eine mögliche politische Alternative wurde erst nach der islamischen Revolution im Iran deutlich sichtbar. Im Gegenteil zu den säkularen Bewegungen konnten sich die islamischen Bewegungen im Schutze der Moscheen und Madrasen (islamischen Theologieschulen) organisieren. Sie gewannen an Akzeptanz, als sie anfingen, eine Antwort auf die Probleme der Menschen zu geben. Das Vertauen der Massen haben sie nicht durch leeren Versprechungen, Beten und Predigen gewonnen. Soziale Projekte wurden von ihnen ins Leben gerufen, die die Menschen bei ihren alltäglichen Nöten und Problemen helfen. (Karitativen Einrichtungen, in denen in erster Linie die ärmeren Schichten Unterstützung finden, sozialen Dienste, Infrastrukturprojekte, Schulen, Krankenhäuser, ...)
So geschehen in Algerien die radikalen Bewegungen „FIS“ (die islamische Heilsfront,), Palästina „Hamas“ und im Libanon „Hisbollah“.

 

In der zentralen Auseinandersetzung der Araber mit Israel bedienten die islamischen Bewegungen die Bedürfnisse der breiten Masse. die terroristischen Bewegungen Hisbollah und Hamas waren die einzigen, die Israel die Stirn boten und den Israelis das Fürchten lehrten. Diese Haltung brachte ihnen große Sympathien bei den gedemütigten Bevölkerungen.

 

Das Misstrauen der Araber gegenüber dem Westens ist nicht unbedingt unbegründet. Seit der ersten Begegnung in der neuen Geschichte Anfang der letzten Jahrhundert haben die Araber fast immer nur Enttäuschungen erlebt. Ein Beispiel ist das Versprechen der Franzosen und der Engländer im ersten Weltkrieg, das sie nicht gehalten haben. Sie versprachen den Arabern die Unabhängigkeit, wenn sie gegen die osmanische Herrschaft mit ihnen kämpften. Was sie auch machten. Im geheimen Sykes-Picot-Abkommen 1916 hatten sich Franzosen und Engländer schon im voraus auf die Aufteilung der arabischen Welt geeignet.

 

Die Arroganz mancher amerikanischen und europäischen Politikern ist ein großer Segen für die islamischen Fundamentalisten. Oft werden alle islamischen Bewegungen, als Islamisten gebrandmarkt, in einen Topf geworfen und gleichermaßen verdammt. Dies trägt zu ihrer Radikalisierung bei und stärkt die Terroristen unter ihnen.

 

Wenn sie z.B. Hisbollah aus Libanon als terroristische Organisation einstufen, um Israel zufrieden zu stellen, verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit den Araber und den Muslimen gegenüber. Hisbollah führt in den Augen der Araber einen Krieg gegen Israel, um einen besetzten Teil Libanons zu befreien.

 

Der Aufstieg der Terrororganisation Hamas zur wichtigsten politischen Bewegung in Palästina passierte nicht von heute auf morgen. Jeder politische Beobachter wusste, wie korrupt die Regierung Yasser Arafats war. Dagegen zu steuern lag in den Händen der EU und der USA, z.B. stärken der liberalen Kräfte in der PLO. Sie haben versagt und das müssen sie sich gestehen. Sie können jetzt nicht die Palästinenser dafür bestrafen, dass sie Hamas wählten.

 

Die islamischen Bewegungen sind ein wichtiges Teil der islamischen Welt geworden, mit der der Westen leben und umgehen lernen müssen. Eine Differenzierung vorzunehmen, ist mühsam aber nicht vermeidbar. Arabische und islamische Experten, die das sagen, was der Westen gerne hören möchte, sollte man lieber vermeiden. Sie sind im wahren Sinne des Wortes irreführend. Der Westen möchte wissen, dass die Menschen in den arabischen Ländern mehr unter dem islamischen Radikalismus leiden, als die Menschen in der westlichen Welt. Sie haben deshalb mehr Interesse an seiner Beseitigung.

 

Die Radikalisierung im Islam ist eine Strömung, eine ideologische Strömung. Ich glaube nicht, dass sie militärisch besiegbar ist. Sie baut auf eine jahrelange Unterentwicklung in allen Bereichen, vor allem in den politischen und sozialen Ausbildung der Menschen in den arabischen Ländern. Nur durch Aufklärung und das Besinnen auf den echten gewaltlosen Islam macht einen Sieg über sie möglich. Je länger die Araber damit warten, desto schlimmer werden die Konsequenten für sie. Sie werden dadurch in ihrer Entwicklung von Jahr zu Jahr immer weiter zurückgeworfen. Die radikalen islamischen Bewegungen stellen eine große Gefahr für den Islam und für die Entwicklung der arabischen Ländern.

 

Der Westen sollte die fortschrittlichen Oppositionsbewegungen und Initiativen in den arabischen Ländern suchen, in Dialog mit ihnen treten und bei ihrer Bemühungen für liberale und demokratische Werte unterstützen.
Er sollte die arabischen Herrscher für die sofortige, echte Öffnung und mehr Demokratie ermutigen.

 

Die arabische Welt braucht Frieden, Sicherheit und Stabilität. Sie sind die Grundlage für eine positive Entwicklung im Interesse der Massen und die Mindestvoraussetzungen für eine bessere arabische Welt. Eine Welt, die frei von Radikalismus und Terrorismus ist. Es sollte den Menschen klar gemacht werden, dass genau dies die Radikalen und die Terroristen nicht wollen.

Sykes-Picot-Abkommen

Das Sykes-Picot-Abkommen vom 16. Mai 1916 war eine geheime Übereinkunft zwischen den Regierungen Englands und Frankreichs durch die ihre Einflusssphären im Mittleren Osten nach dem Ersten Weltkrieg festlegt wurden.

 

Das Abkommen wurde im November 1915 von dem französischen Diplomaten Georges Picot und dem Engländer Mark Sykes ausgehandelt. Picot war der bei weitem erfahrenere und verstand es weitaus mehr als erwartet für Frankreich herauszuholen.

 

England wurde die Herrschaft über ein Gebiet zuerkannt, das in etwa dem heutigen Jordanien dem Irak und dem Gebiet um Haifa entspricht. Frankreich sollte die Herrschaft über die Südost- Türkei den Nordirak Syrien und den Libanon ausüben. Jedes Land sollte die Staatsgrenzen innerhalb seiner Einflusszone frei bestimmen dürfen.

 

 

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