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Das historische Erbe
Die Informationen, die Sie hier finden beziehen
sich auf die Zeit vor der Zerstörung des Iraks durch Saddam- Politik
und -Kriege.
Im Irak befinden sich ungefähr 10.000 archäologische
Ausgrabungsstätten mit Resten einer langen Folge von immer
fort wechselnden Zivilisationen, die bis weit in die Altsteinzeit
vor mehr als 100.000 Jahren zurückreichen.
Die islamische Periode ist darunter die jüngste.
Die kulturelle Gestaltung des Landes war von Originalität und
Kontinuität geprägt, was seinen Zivilisationen besondere
Ausgewogenheit verlieh. Damit erklärt sich zum Teil warum gerade
dieser Boden ein Herd wissenschaftlicher und künstlerischer
Ausstrahlung war, die zur Entwicklung und zum Fortschritt vieler
Länder der Welt beigetragen hat.
Der Irak war eine der ersten Regionen der Welt, in der die Basis
für kulturelle und soziale Stabilität hergestellt wurde.
Vor 8.000 Jahren, im Neolithikum, wurden Dörfer
gebaut, in denen der Mensch den Boden bestellen, Tiere züchten,
Behausungen bauen, Stoffe weben, die Töpferei und sogar die
Herstellung von Kunstgegenstände durch Malen oder Bildhauerei
lernte. Jarmo in Chamchamel, im Bezirk Tamin, ist eine der ersten
Siedlungen des Menschen.
Die ersten Funde
In Orten wie Hassouna, Um-Al-Dabbaghiya, Matara
und Tel Al-Suwan wurden außergewöhnliche Funde ausgegraben,
die heute Museen im In- und Ausland schmücken.
Vor fast 6.000 Jahren blühte die Al-Ubeid-Zivilisation
im Süden und erstreckte sich bis zur Arabischen Halbinsel und
dem Iran. Während der sogenannten Warka-Periode vor 5.200 Jahren
entstand die Schrift in ikonographischer Form und entwickelte sich
dann weiter zur Keilschrift. Die Periode von 4800 bis 4350 v. Chr.
ist als die Zeit des »Anbeginns der Dynastie» bekannt,
die drei Phasen umfasst, von denen jede durch außergewöhnliche
künstlerische Errungenschaften gekennzeichnet ist, insbesondere
was die Bildhauerei, Siegelanferligung und die Metallbearbeitung
betrifft. Die Ausgrabungen des königlichen Friedhofs in der
Stadt Ur im Süden geben uns eine Vorstellung von dem hohen
Stand der Entwicklung der Kunst, die bis in das dritte Millenium
v.Chr. reicht.
Wandzeichnungen, die fast 8.000 Jahre alt sind,
wurden in Um AI-Dabbaghiya bei Hatra gefunden. Tel-Al-Suwan hat
uns eine große Anzahl hervorragender kleiner Skulpturen hinterlassen.
Bemerkenswert ist, dass der mesopotamische Mensch, der vor ungefähr
50.000 Jahren in der Shanidar-Höhle (bei Arbil) lebte, schon
damals einen ausgeprägten Sinn für alles Schöne besass:
er streute Blumen auf die Gräber der Toten; eine Entdeckung,
die Archäologen an keinem anderem Ort der Welt machten.
Die Akkaden
Später zur Zeit der Akkaden (2371 -2143 v.Chr.)
wurde das Land unter einer zentralen Herrschaft vereint und ein
mächtiges Imperium, das erste in der Geschichte, gebildet.
Die Akkaden waren die arabischen Pioniere: ihr Imperium umfasste
den Iran, Anatolien und Syrien. Fast ein Jahrhundert nach den Akkaden
machte das Land eine Rezession durch, infolge von Angriffen und
Verwüstungen eines barbarischen Stammes, der aus dem Norden,
von Iran aus vordrang. Bald darauf kamen die Sumerischen Herrscher
und erneuerten das lokale Kulturwesen. Der bedeutendste unter ihnen
war Gudes, der Herrscher von Lagash. In den Jahren von 2112-2004
v. Chr. wurde die Dritte Ur-Dynastie gegründet. Deren Könige,
besonders die Gründer der Dynastie, Urnammo und Shulgi, waren
bekannt für ihre Liebe zur Kunst und Literatur. Ihre Statuen
aus Bronze sind uns erhalten geblieben; die abgebildeten Herrschergestalten
tragen die gleichen Tongefässe, die beim Bauen benutzt wurden,
und belegen so ihre Beteiligung am Aufbau des Landes.
Die Babylonier
Die Kette der kulturellen Entwicklung setzt sich
fort. Die Zeit der alten Babylonier, 2004-1594 v. Chr., zeugt von
großer Aktivität, was die Architektur, Bildhauerei, Siegelanfertigung
und besonders die Literatur und die Wissenschaften betrifft. Auf
dem Gebiet der Geometrie und der Mathematik haben die Babylonier
Theorien formuliert, die viel später Euklid und Pythagoras
zugeschrieben wurden.
Sie nutzten die Algebra-Form ein des ersten und
zweiten Grades und schufen die Grundlagen der Logarithmen.
Am bedeutendsten waren vielleicht die für die Menschenrechte
bestimmenden Gesetze, die in dem berühmten Hammurabi-Kodex
klar formuliert wurden (1792-I750v. Chr.).
Die Assyrer
Die Assyrer, die im Norden des Landes ansässig
waren, sprachen die gleiche Sprache wie die Akkaden und Babylonier
und bedienten sich der gleichen Schrift - der Keilschrift. Geschichtlich
betrachtet, hatten die Assyrer drei wichtige Entwicklungsphasen:
die alte assyrische Periode, die mit der babylonischen Periode zusammenfiel,
danach die Phase des Mittelalter und schließlich die Phase
des Assyrischen Reichs von 910-612 v. Chr. Sie waren berühmt
als Menschen, die schöne Bauwerke liebten und Sinn für
politische Organisationen besassen: sie gründeten die mächtigen
Imperien ihrer Zeit und erbauten große Städte wie Asur,
Niniveh, Nimrud und Dur Sharrukin, deren Ruinen man heute in Museen
der ganzen Welt bewundern kann.
Das neue babylonische Zeitalter
Auf die Assyrische Periode folgte das neue babylonische
Zeitalter 612- 538 v. Chr., dessen überragender Herrscher der
große Nebukadnezar war (604-562). Er war
einmalig in seinen architektonischen und künstlerischen Errungenschaften
und in seiner weisen politischen Führung; er hatte die Kraft
und verstand, alle Aufstände, zu denen es in seinem riesigen
Imperium kam - es umfasste auch Syrien und Palästina - niederzuwerfen.
Nach dem Fall, von Babylon kam das Land unter fremde
Oberhoheit: die persischen Achaemeniden, die Griechen (Seleukiden)
und andere kamen. Sie übernahmen das Kulturerbe des Landes,
dessen Errungenschaften und Erfahrungen. Die Babylonier und Assyrer
schufen viele Kunstwerke in Susa, Persepolis und Bazargaw.
Spuren ihres Einflusses findet man an den Backsteinbauten und den
Skulpturen dieser Städte. Die Griechen übernahmen das
Erbe der Babylonier in den Bereichen Mathematik, Astronomie, Medizin,
Geometrie und Literatur.
Die Araber

Vor ungefähr zweitausend Jahren leisteten
die Araber ihren Beitrag zur Architektur und zur Kunst in verschiedenen
Orten im Norden, in Syrien,
Jordanien und Südanatolien. Ihre großen Gebäude,
Statuen und Metallarbeiten sind noch heute in einem Teil von Hatra
zu sehen, wo sie ihre Namen in die herrlichen Werke eingravierten.
Während der Hatra-Periode erbauten die Araber in Assur vier
große Ewans, die noch immer den Namen ihres arabischen Architekten
aufweisen. Zur Zeit der Hatra-Kultur, vor ihrem Niedergang 241 nach
Chr., blühte die Kultur der Araber auch in Hira, im Inneren
des Irak. Die Entwicklung Hiras dauerte bis zur islamischen Eroberung
des Irak 632n.Chr.
Der Islam
Der aufkommende Islam löste in vielen Teilen
der Welt grosse revolutionäre Veränderungen aus. Die Bevölkerung
des Iraks setzte ihre kulturelle Entwicklung fort und hiess die
neue, erhabene Botschaft willkommen. Sie nahm diese Botschaft an
und entwickelten auf dieser Basis eine grosse Zivilisation, deren
Aufstieg sogleich nach der Hedschra* des Propheten begann und in
der Omaijaden-Periode 660-750n. Chr. sowie im Zeitalter der Abbasiden
750 -1258n. Chr. fortdauerte.
Unter Omar, dem zweiten Kalifen nach dem Propheten, wurden wichtige
Städte errichtet, wie Kufa und Basrah. Zur Zeit der Omaijaden
wurde die Stadt Wasit erbaut, die die zwei oben genannten Städte
miteinander verband. Im Jahre 762. n. Chr., unter dem Abbasiden-Kalifen.
Abu Jafer Al-Mansour wurde Bagdad errichtet. Ungefähr sechzig
Jahre später, 836n. Chr. errichtete Al-Mutasim die Stadt Samarra.
die gleichzeitig zur Metropole wurde.
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* Hijra = Hedschra - Übersiedlung Mohammeds von Mekka nach
Medina (622 n.Chr.)
und Beginn der islamischen Zeitrechnung.
Bagdad Hauptsitz des Kalifats
Im Jahre 892 wurde Bagdad wieder der Hauptsitz
des Kalifats und blieb das Zentrum der Staatsregierung bis zu deren
Sturz, den die Mongolen unter ihrem Führer Hulago irn Jahre
1258 herbeiführten.
Die Zeit der Abbasidenherrschaft war eine goldene Zeit, eine Zeit
des Fortschritts und Wohlstandes, der Wissenschaften und Schöpfungen,
und all das entwickelte sich unter der Obhut der Kalifs. Für
die Araber war es die Zeit der Medizin, Chemie, Geometrie. Mathematik,
Astronomie und Poesie; alles blühte auf: die Araber waren die
Größten der Welt.
Dunkelheit kam 1258 über das Land, als Hulago, ein Enkel des
Dschingis Khan, Grauen und Verwüstung hinterließ. Im
16. Jahrhundert fiel der Irak an die Ottomanen, deren Herrschaft
bis 1917 dauerte, als das Land britisches Mandatsgebiet wurde.
Eine Art politische Unabhängigkeit erlangte Irak erst im Jahre
1932. Unter gewaltigen Mühen musste sich die Bevölkerung
von der jahrhundertlangen Rückständigkeit befreien. Ihre
Errungenschaften und Erfolge sind wahrhaft bemerkenswert.
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